MöwenKatzen

Fliegen für Anfänger

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Eines Tages gingen die kleine Möwe, die glaubte eine Katze zu sein, und ihr Ziehvater, der alte Hafenkater, entlang der Pier spazieren. Plötzlich seufzte die kleine Möwe tief und sagte: "Weißt du, ich hab Angst vorm Fliegen". Sie blickte dem Kater dabei leidend in die Augen. Nachdenklich und mit liebevoller, klarer Stimme antwortete der Kater: "Weil du die Natur deines Wesens nicht kennst". Also begannen die beiden unverzüglich mit dem Flugunterricht. Doch so sehr sich die kleine Möwe bemühte, so schnell sie auch lief, sie konnte einfach nicht vom Boden abheben. Der schlaue Kater aber erkannte, dass sie so nicht ans Ziel kamen und hatte eine glänzende Idee. Er würde ein Menschenkind nachts besuchen, und es im Traum bitten, die kleine Möwe auf den hohen Kirchturm zu tragen, damit sie von dort aus, fliegen konnte.

Und so geschah es. Als das Menschenkind erwachte, erkannte es den alten Kater aus dem Traum wieder, und trug die Möwe – wie im Traum geheißen – auf den Turm, während der Kater hinterher lief. Ganz oben angekommen, fasste die kleine Möwe ihren ganzen Mut zusammen, setzte sich auf den Sims und sprang im Glauben daran, fliegen zu können, vom Turm. Sie fiel, fiel, fiel, fiel, fiel, …. Da schrien der Kater und das Menschenkind ganz laut: "Los, breite deine Flügel aus! Du kannst das!" Die kleine Möwe kniff die Augen zusammen, nahm noch einmal einen tiefen Atemzug und breitete schließlich ihre Flügel aus. Auf einmal fühlte die kleine Möwe den Wind unter ihren Schwingen, der sie kitzelte. Sie schlug nicht am Boden auf, sondern gewann im letzten Augenblick an Höhe. Was für ein wunderschönes Gefühl, einfach so durch die Lüfte zu segeln und die Welt von einer anderen Perspektive aus zu betrachten! Hui! Alles sah so klein aus, beinahe wie eine Spielzeugwelt. Erleichtert, voller Freude, mit Herzklopfen und stolz dachte sie bei sich: "Ja. Meine Flügel tragen mich." Die kleine Möwe erkannte ihre Fähigkeit, die sie eigentlich schon immer in sich trug, und fühlte sich von nun an stärker und glücklicher denn je.

Was hat diese Geschichte jetzt mit mir und vielleicht auch mit dir zu tun?

Nun, sie zeigt uns, dass wir unsere Potenziale leichter entfalten, wenn wir

  • von ihnen wissen,
  • ihnen die Möglichkeit geben, sich zu zeigen,
  • lernen, sie zielgerichtet einzusetzen,
  • liebevoll mit ihnen umgehen (sie stärken, trainieren, würdigen)
  • uns täglich aufs Neue über ihre Existenz freuen.